RÜCKBLICK

Qualzucht - Schön oder Krank - Fell und Haut bei Hund und Pferd (Berlin, 10.02.26)

Farbe und Struktur spielen für das „Augentier“ Mensch eine bedeutende Rolle. Das ist bei der Auswahl und Bewertung von Tieren nicht anders. Was als schön empfunden wird, liegt dabei im Auge der Betrachtenden und kann für die betroffenen Tiere zum Teil nicht unerhebliches Leid bedeuten. Der Frage, wann wir in diesem Zusammenhang von QUALZUCHT sprechen müssen, sind im Rahmen der Veranstaltung QUALZUCHT – SCHÖN ODER KRANK? HAUT UND FELL BEI HUND UND PFERD am 10. Februar 2026 die Referierenden Dr. Anna Laukner und Dr. Monika Reißmann nachgegangen. Dr. Felix Aiwanger erläuterte den rechtlichen Rahmen, innerhalb dessen sich bei der Auseinandersetzung, Bekämpfung und Ahndung von Qualzucht bewegt werden kann.

Dr. Anna Laukner beleuchtete die komplexen genetischen Zusammenhänge der Farbentwicklung beim Hund. Dabei wurde deutlich, dass das äußere Erscheinungsbild eines Hundes häufig nicht zuverlässig Rückschlüsse auf seine genetische Farbanlage zulässt. Besonders anschaulich zeigte sie dies am Beispiel der beliebten Merle-Färbung, die zunehmend in verschiedene Rassen eingekreuzt wird.

Je nach genetischer Konstellation kann Merle jedoch mit Hör- und Sehstörungen einhergehen oder bei reinerbiger Veranlagung sogar tödliche Folgen haben. Problematisch ist, dass sich diese genetischen Risiken nicht immer eindeutig im Fell zeigen. So können gesundheitlich kritische Kombinationen auch dann entstehen, wenn Hunde äußerlich unauffällig oder lediglich gestromt erscheinen.

Auch weiße und gescheckte Hunde können genetisch bedingte Gesundheitsrisiken tragen – ebenso wie züchterisch geförderte Haarlosigkeit.

Ihr Fazit ist eindeutig: Züchter:innen müssen über gesundheitsrelevante Farben und Genotypen umfassend informiert sein und vor geplanten Verpaarungen gegebenenfalls genetische Tests durchführen. Zudem sind Käufer:innen sowohl schriftlich als auch mündlich umfassend über mögliche Risiken aufzuklären.

Dr. Monika Reißmann erklärte, warum die Situation in der Pferdezucht grundlegend anders ist als bei Hunden und Katzen. Während bei Pferden vor allem die Leistungszucht im Vordergrund steht, gelten auffällige Haar- oder Körperformen hier meist nicht als Problem. Kritisch wird es jedoch dann, wenn bestimmte Farbvarianten mit Schmerzen, Leiden oder gesundheitlichen Schäden einhergehen.

Anhand anschaulicher Beispiele zeigte sie die negativen Folgen von Overo-Scheckung, Silberaufhellung und Weißisabellen. Farbgebende Gene beeinflussen dabei nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern können auch andere Körperfunktionen beeinträchtigen. So ist das Overo-Lethal-White-Gen in reinerbiger Form ein Letalfaktor: Fohlen mit homozygoter Overo-Anlage versterben meist innerhalb weniger Stunden oder Tage. Bei der Silberaufhellungtreten häufig schwere Augenprobleme auf, während Weißisabellen durch fehlende Pigmentierung besonders anfällig für Sonnenbrand, Hautveränderungen und Lichtempfindlichkeit der Augen sind.

Ihr klares Fazit: Pigmentmangel ist oft mit erheblichen Risiken verbunden. Um gesunde Pferde zu züchten, sollten moderne genetische Untersuchungsmethoden wie DNA-SNP-Chips, mit denen tausende genetische Marker gleichzeitig analysiert werden können, konsequent genutzt werden.

Dr. Felix Aiwanger widmet sich dem häufig kritisierten Vollzugsdefizit im Tierschutzrecht. Zentrale Streitpunkte seien dabei vor allem die konkrete Feststellung von Schmerzen, Leiden oder Schäden sowie der kausale Zusammenhang zwischen diesen Beeinträchtigungen und der jeweiligen Zuchtpraxis. Erschwert werde dies zusätzlich durch unbestimmte Rechtsbegriffe wie „züchterische Erkenntnisse“ oder „erwarten lassen“, aus denen sich Fragen nach geeigneten Erkenntnisquellen und der Eintrittswahrscheinlichkeit gesundheitlicher Schäden ergeben.

Als wichtiges Hilfsmittel für die rechtliche Einordnung nannte er antizipierte Sachverständigengutachten. Im weiteren Verlauf stellte er die nach geltendem Tierschutzrecht möglichen präventiven Maßnahmen zur Vermeidung von Qualzucht vor. Besonders spannend sind seine Überlegungen, Verantwortung nicht ausschließlich bei den Züchtenden zu verorten, sondern gegebenenfalls auch Zuchtvereine oder Halter:innen in die Pflicht zu nehmen.

Darüber hinaus griff er unkonventionelle rechtliche Ansatzpunkte auf, etwa die Einordnung als Sachmangel, den Tatbestand der Irreführung oder sogar den Widerruf der Gemeinnützigkeit von Zuchtverbänden.

In seinem Ausblick verweist er auf Zuchtverbote einzelner Rassen im Ausland, die Qualzuchtkommission in Österreich sowie auf eine in Vorbereitung befindliche EU-Verordnung zum Wohlergehen von Hunden und Katzen. Positiv bewertete er zudem die zunehmende Rechtsprechung in Richtung eines konsequenteren Qualzuchtverbots.

Lange Nacht der wissenschaft (Berlin, 28.06.25)

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lange Nacht der Wissenschaften” am 28. Juni 2025 in Berlin informierte die Landestierschutzbeauftragte des Landes Brandenburg über zentrale Themen des Tierschutzes. Wie bereits im Vorjahr war Dr. Anne Zinke auch in diesem Jahr wieder im Oberstufenzentrum Lise Meitner zu Gast, um mit dem interessierten Publikum in den Dialog zu treten. Die Veranstaltung konnte an den großen Erfolg des Vorjahres anknüpfen – und diesen sogar übertreffen: Mit rund 1.721 Gästen stieg die Besucherzahl gegenüber dem Vorjahr um 27,7 Prozent.

© GS Landestierschutzbeauftragte

Thematisch stand dabei Qualzucht bei Tieren im Mittelpunkt, das im Rahmen der Tierschutzkampagne „Lifestyle oder Lebewesen?“ gemeinsam mit dem Verein Tierwohl statt Lifestyle – Gemeinsam gegen Qualzucht e.V. aufgearbeitet wurde.

Die Kampagne, die in Kooperation mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) sowie dem oben genannten Verein entwickelt wurde, verfolgt das Ziel, die Öffentlichkeit über die Hintergründe und Folgen von Qualzuchten aufzuklären. Dabei geht es insbesondere um die gesundheitlichen und sozialen Einschränkungen, die Tiere mit erblich bedingten Fehlentwicklungen und krankmachenden Zuchtmerkmalen erleiden. Die Beschwerden entstehen häufig ausschließlich durch die Zucht auf bestimmte äußere Merkmale. 

Mit großem Interesse informierten sich die Besucherinnen und Besucher darüber,

  • was genau unter Qualzucht zu verstehen ist,
  • welche Ursachen ihr zugrunde liegen und
  • welche zentrale Rolle dabei die sozialen Medien spielen.

Dort kursieren oft Bilder und Videos von sogenannten „Trend-Tieren“, deren Zucht auf extreme Merkmale ausgerichtet ist – etwa übergroße Augen, extrem platte Nasen oder besonders kleine Körper. Die vermeintlich niedliche oder „stylishe“ Darstellung solcher Tiere auf Social-Media-Plattformen kann zu einer erheblichen Nachfrage führen – mit gravierenden tierschutzrelevanten Folgen.

Vier interaktive Stationen ermöglichten einen vertiefenden Zugang zum Thema: Die Gäste konnten sich anhand von Informationsmaterialien, Bildern und Krankheitsgeschichten verschiedener Tiere mit typischen Qualzuchtmerkmalen auseinandersetzen. Ein eindrucksvolles Einführungsvideo zeigte, wie sehr die Darstellung bestimmter Tierrassen in sozialen Medien zur Nachfrage nach diesen Tieren beiträgt – und damit Qualzucht aktiv fördert.

Eine zentrale Botschaft der Veranstaltung lautete daher: „Reagiere richtig auf tierschutzwidrige Inhalte – melden, nicht liken, nicht teilen!“

© GS Landestierschutzbeauftragte

Besonders beliebt war auch ein interaktives Kartenspiel, bei dem die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst herausfinden konnten, welche Tierrassen genetisch bedingte Veränderungen aufzeigen – und welche nicht. Zudem wurde aufgezeigt, welche Rolle das Verhältnis von Mensch und Tier spielt: Je nachdem, wozu Tiere genutzt oder gehalten werden – ob als Statussymbol, Kindersatz oder Hobby – beeinflusst das direkt die Zuchtziele und kann leider auch zu tierschutzwidrigen Entwicklungen führen.

Die Veranstaltung ermöglichte nicht nur aufschlussreiche Einblicke in ein komplexes Thema, sie unterstrich auch einmal mehr, wie wichtig Aufklärungkritisches Konsumverhalten und ein verantwortungsvoller Umgang mit Medieninhalten sind – für ein Leben im Einklang mit dem Wohlergehen unserer Tiere.